Ausstellungen

Die BIXL 2013 - eine Nachlese von Holger Freese

Sonntag, 07. April 2013

Wie ich auch in meinen Grußworten zur Ausstellungseröffnung zum Ausdruck bringen konnte, sehen die Tabakglassammler diesem, heuer schon zu 13. Mal veranstalteten Ereignis stets mit großer Spannung entgegen, denn jeder hofft an diesem Wochenende vor Ostern auf Überraschungen der Glasmacher, die dann natürlich schnellstens der eigenen Sammlung einverleibt werden müssen.
Die Erwartungen sollten auch diesmal nicht enttäuscht werden. Darüber hinaus ist aber zu berichten, dass die BIXL mittlerweile vor allem als Gesamtkonzept eine sehr gelungene Darstellung der Vielfältigkeit unseres Sammelgebietes ist. Angefangen von einer harmonischen Präsentation, die schon den Eingangsbereich gewinnend gestaltete, bis zur Rahmengestaltung mit launigen Ansprachen und humorvollen Musikstückln, die sogar zum Mitsingen animierten. So war die Vernissage ein wirklich gelungenes Fest und dem Team um Rudi Weber und Franz Straub können nur höchste Komplimente für die Organisation dieses Ereignisses gemacht werden!
Nachfolgend nun der wie immer sehr subjektive Versuch, einige wenige Highlights aus dem durchweg hochklassigem Angebot herauszugreifen, um den nicht angereisten Lesern einen kleinen Eindruck des Versäumten zu geben.
Schon in der ersten Vitrine bestachen die Murrine-Gläser von Hans Auerbeck, der in Anlehnung an sein Gewinnerglas vom Gletscherprise-Glaskunstpreis 2012 vor allem sehr dezent gestaltete Schwarz-Weiß-Murrine verarbeitet hat (IMG 2571). Die akuraten Formschliffe von Thomas Kufner verleihen diesen Gläsern regelrechte Eleganz und gehören einfach in jede Sammlung. Auch Alois Saller hat ja seit Jahren ein besonderes Faible für venezianische Glastechniken, und diesmal fielen dezent bunte Gläser mit transparenten Plättchen (Venezianisch: Pezzato) auf (IMG 2693). Von den anderen Glasmacher der Glasfachschule sahen wir Stücke aus Beständen. Dies war insofern sammlerisch interessant, als Rainer Pscheidl Stücke aus seiner Musterkollektion einschließlich seiner Gewinnergläser des Gletscherprisepreises verkaufte. Die Sammlergemeinde ist aber schon auf neue Kreationen gespannt.
In der Auslage von Franz Straub gefiel besonders ein aufwendig graviertes Alexandrit-Glas (IMG 2708) mit erotischen Motiven. Der Gesamteindruck wurde dabei noch verstärkt durch einen besonders eleganten Messing-Stopfen aus der Hand unseres Mitglieds Kurt Hertenberger - ein schönes Beispiel des Zusammenspiels von Veredler und Sammler.
Ein absoluter Hingucker war das einzige, von Jo Hruschka eingelieferte Glas, das er so raffiniert bemalt hat, dass das Auge (in bester Tromp-d'Oeuil-Manier) glaubte, ein von Schnüren zusammengehaltenes Glas vor sich zu haben (IMG 2611). Das Glas war natürlich, wie wohl nicht anders zu erwarten, binnen Minuten mit dem roten Punkt (des Verkaufserfolgs) versehen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben... Ein Feuerwerk an Ideen hatte auch Josef Häusler zu bieten, dessen Handschrift in besonders gelungenen Kombinationen mehrerer Schlifftechniken zum Ausdruck kommt. Oder aber in ungewöhnlichen Bearbeitungen von Farbgläsern, die durch Mattierung noch an Plastizität gewinnen (IMG 2557).
Thomas Kufner arbeitet seit Jahren auf höchstem Niveau und so verwunderte es nicht, dass er wieder mit neuen Entwürfen auf Mehrfach-Transparentüberfängen glänzen konnte (IMG 2605). In Hans Auerbeck hat er einen zuverlässigen Rohlingslieferanten, der gerne mit Glaskombinationen arbeitet und den Schleifer Kufner immer wieder zu Höchstleistungen inspiriert.
Besondere Erwähnung verdienen noch die Tabaksbehältnisse, die in Gemeinschaftsarbeit der SHB-Gruppe um Walter Hornung entstehen und auch in diesem Jahr wieder Stücke hervorbrachten, die binnen kürzester Zeit vergriffen waren. Gekonnte Kombinationen von Edelholz mit den klar strukturierten Glasschnitten Klaus Büchlers bzw. den Kreationen Alois Sallers (z.B. bei DSC 013-10) lassen die Vorbehalte der Glaspuristen schwinden. Ebenso interessant war übrigens der Materialmix bei den aus Stahl gedrehten Behältnissen, die mit Glasfusing kombiniert von Tobias Lagerbauer hergestellt wurden (IMG 2723).
Dies war nur ein kleiner Querschnitt mit Blick auf die interessantesten Arbeiten, wobei ich um Nachsicht bitte, wenn der ein oder andere, sicher ebenso geschätzte Glaskünstler meiner Aufmerksamkeit entgangen sein sollte. Die BIXL-Vernissage war jedenfalls wieder eine Bestätigung dafür, dass trotz der angespannten Lage im Glassektor viele Glasschaffende (vor allem die begabtesten) ihre Nische gefunden haben, um auch weiterhin ihren Beruf erfolgreich und einträglich auszuüben.
Zu Letzterem sollten wir als Sammler tatkräftig beitragen!

Stephanskirchen, im April 2013
Holger Freese

Ausstellung der Schaefer-Stiftung: Hommage an Heinz Hof und Franz Kufner, zwei aussergewöhnliche Glasgestalter

Mittwoch, 31. Oktober 2012
Glasmuseum Frauenau

Heinz Hof (1927 – 2004), ein Leben lang Glasgraveur in der Hütte Theresienthal, und Franz Kufner (1942 – 2004), als Hohlglasfeinschleifer, später aus gesundheitlichen Gründen Heim- und Gelegenheitsbeschäftigter, zuletzt aber mit eigener Werkstatt, haben sehr unterschiedliche Lebenswege beschritten. Doch in ihrem Wirken, ihrer Kreativität, in ihrem hohen Anspruch an die eigene Arbeit und zuletzt ihrem tapferen Abschied waren sie sich überaus ähnlich.

Die Ausstellung will sich als Versuch einer Würdigung verstehen. Sie gibt einen weit reichenden Überblick über ihr Schaffen und zeigt rund 130 Tabakgläser. Hilde Hof, die Witwe von Heinz Hof, und ihr Sohn Heinz Hof haben der Schaefer-Stiftung für die Ausstellung eine Auswahl der schönsten Gläser aus Heinz Hofs Sammlung selbstgravierter Gläser zur Verfügung gestellt. Die umfangreiche Sammlung entstand von der Mitte der 1970er Jahre bis 1987. In dieser Zeit widmete sich Heinz Hof mit voller Hingabe der Veredlung von Schnupftabakgläsern. Dies war für ihn eine Möglichkeit, der Monotonie des Arbeitsalltags, wo die Akkordarbeit vorherrschte, zu entfliehen. Am liebsten gravierte Heinz Hof auf Überfanggläsern von Günther Baumgartner.

Franz Kufner befasste sich ab 1990 zusehends mit der Veredelung von Tabakgläsern. Seine Perfektion und seine stets neuen, überraschenden Kreationen ließen die Sammlergemeinde stetig wachsen. Opake Gläser, Mehrfachüberfanggläser oder Stufengläser, die von Franz Kufner einen perfekten Schliff erhielten wurden begeistert aufgenommen. In den rund 70 ausgestellten Gläsern, die Teil der Sammlung Schaefer sind, wird die ganze Bandbreite seiner Arbeit deutlich.

Heinz Hof und Franz Kufner legten bei ihrer Arbeit viel Geschmack und Phantasie an den Tag. Sie gestalteten die Tabakgläser meist in geometrischen Mustern. Eine enorme Farben- und Formenvielfalt erwartet die Besucher der Ausstellung.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Biographien und Bildern der beiden Glaskünstler, Texten zur ihrer Arbeit sowie zahlreichen Fotos von Tabakgläsern erschienen. 71 Seiten, ISBN: 978-3-00-035939-2 (Näheres siehe unter „Literatur“)

Die Ausstellung im Glasmuseum Frauenau läuft bis 7. Oktober 2012. Geöffnet ist wochentags von 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 16 Uhr.

Ausstellung Industrielle Produktion von Tabakgläsern in Spiegelau und Spiegelhütte

Sonntag, 14. Oktober 2012
Glasmuseum Frauenau

Schon viele Aspekte rund um die Tabakgläser wurden bisher in Ausstellungen zum Thema gemacht. Die Schaefer-Stiftung widmet sich in der neuesten Sonderschau einem Gebiet, das in einer Zeit, die hauptsächlich die Individulität der Tabakgläser in den Mittelpunkt des Interesses rückt, nur wenig Aufmerksamkeit erlangt hat: die indudustrielle Fertigung von Schnupftabakgläsern. Diese wurde in den Glashütten Spiegelau und Spiegelhütte bei Lindberg betrieben.

Für die „Hohl-Glas-Fabrik-Spiegelau“, 1842 durch den Zwieseler Fuhrunternehmer und Bierbrauer Anton Stangl bei einer Versteigerung erworben, ist erstmals im Jahr 1846 die Herstellung von Tabakgläsern nachgewiesen. Im Jahre 1900 wurde sogar eine eigene Preisliste nur für Tabakgläser heraus gegeben. Sie belegt eine Fülle von verschiedenen Schnupftabakgläsern: Farbgläser in 11 Farben, Überfanggläser, Perlgläser, Hohlgeschnürlte, Pressgläser, gesponnene Gläser, Bandlgläser, geschnürlte Gläser waren im Angebot. Hinzu kamen noch Sondergrößen, Gläser „für Kinder“ und Gesellschaftsgläser.

Die Ausstellung zeigt eine Fülle von Schnupftabakgläsern dieser variantenreichen Produktion, so dass sich der Besucher einen lebendigen Eindruck vom Umfang der damaligen Herstellung machen kann. Obwohl in Massen hergestellt, zeigen die Gläser einen ganz eigenen Charakter, beeindrucken mit ihrer stilvollen Einfachheit oder den abwechslungsreichen Bildmotiven wie die mit Abziehbildern versehenen Gläser. Eine Besonderheit bilden die Reklamegläser der Schnupftabakfabriken, die angefangen von Bernard in Regensburg bis hin zu Weiss in Landshut in Spiegelau orderten.

Das wichtigste Dokument bezüglich der Tabakglas-Herstellung in der Poschinger-Hütte in Spiegelhütte ist das Lohnbuch des Glasmachermeisters Joachim Gaschler für die Jahre 1900 bis 1904. Er und vermutlich ein Gehilfe und ein Eintragbub arbeiteten in einer Werkstatt an Schnupftabakgläsern und anderem Gebrauchsglas. Geschnürlte und überfangene Gläser machten den größten Teil der Produktion aus. Fünf Pfennige bekam Gaschler pro Glas. Für die wesentlich aufwändiger herzustellenden hohlgeschnürlten Gläser wurde er mit 17 Pfennigen entlohnt.

Insgesamt fertigte Gaschler in den Jahren von 1900 bis 1904 über 28.000 Schnupftabakgläser. Die in Spiegelhütte angewendeten Techniken sind zwar nicht so variantenreich wie in Spiegelau, doch stehen die Gläser aus Spiegelhütte jenen aus der Stangl-Hütte in nichts nach. „Zwei- und dreifärbig geschnürlte Tabakflaschl“ und Überfanggläser machten den größten Teil der Produktion aus. Bandlgläser, Gläser mit rosa Innenüberfang und „marmorierte“ Gläser machte Gaschler nur in kleinen Stückzahlen.

Neben der regulären Hüttenproduktion wurden in Spiegelhütte, die um 1900 vor allem für ihr kostbares Jugendstil-Glas bekannt war, natürlich auch Schnupftabakgläser geschunden, also in den Arbeitspausen hergestellt. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt dieser Gläser, in die die Glasmacher oft ihr ganzes Können und ihren ganzen Ideenschatz legten.

Mitgliederversammlung des Netzwerk Tabakglas - Protokoll

Samstag, 13. Oktober 2012
Zwiesel, Rotwaldglashütte

In nebenstehender PDF-Datei findet sich das Protokoll zur letzten Mitgliedersammlung mit Neuwahlen des Vereinsvorstands.

10. Pöschl-Gletscherprise Glaspreis 2012 Jurytreffen

Bedauerlicherweise ist die Zahl der Einsendungen aus Bayern und auch aus Tschechien deutlich zurückgegangen, so dass diesmal nur 100 Gläser vorlagen. Die bayerischen Künstler hatten dieses Jahr ja bereits zwei Ausstellungen zu beschicken gehabt, die „Bixl 2012“ in Zwiesel und die „Via Artis“ in Spiegelau. Bei den tschechischen Künstlern mag das unglückliche Ausscheiden eines Fachschuldirektors eine Rolle gespielt haben. Trotzdem waren wieder bemerkenswerte Stücke für die diesmal sechsköpfige Jury zu begutachten. Wie immer gab jedes Mitglied seine Stimmen anonym ab. Die Ergebnisse waren in diesem Jahr von besonders großer Einigkeit geprägt, einige Gläser errangen tatsächlich alle sechs zu vergebenden Stimmen! Unter den 35 bayerischen Künstlern überzeugte vor allem ein Gast aus Japan, von den 17 tschechischen Freunden konnten sich zwei unter die Sieger einreihen.

Herr Dr. Pöschl vergab dieses Jahr zum erstenmal einen Sonderpreis für das Lebenswerk eines Büchslmachers. Verdientermaßen ging dieser Preis an den Glasmacher Fritz Mathe, der in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in seiner Werkstatt bei Schott für seine Firma schon etwa 50.000 Schnupftabakflakons geblasen hat, die meist nach USA verkauft wurden. In den darauffolgenden Jahren dürften noch „einige“ dazu gekommen sein, die er dann privat zur großen Freude und Begeisterung zahlreicher Sammler „geschunden“ hat. Dabei hat Fritz Mathe sich auf besonders meisterliche Glasmacherarbeiten beschränkt. Er gab seine Stücke nie zum Malen oder Schleifen weiter. Allerdings war er mit den Hafenfarben „Alabaster-Weiß“ und „Alabaster-Blau“ ein wichtiger Rohlingslieferant für viel bedeutende Glasveredler und Büchslspezialisten.

Spurensuche - Von alten Schnupftabakgläsern zu ihren früheren Besitzern

Samstag, 28. Mai 2011 bis Dienstag, 01. November 2011
Waldmuseum Zwiesel, Stadtplatz 29

Viele Museumsbesucher werden sich schon einmal gefragt haben, welche Geschichten manch altes Stück erzählen könnte oder wer es einmal benutzt hat. Wenn man weiß, wem ein schönes Glas, ein Kleidungsstück oder auch nur ein Werkzeug gehört hat, wird ein anonymes Exponat schnell zu einem ganz persönlichen Gegenstand. Diesen Ansatz verfolgt das Waldmuseum mit der Ausstellung „Spurensuche“. Die Sonderschau begibt sich auf die Spuren der früheren Besitzer von Schnupftabakgläsern und öffnet den Blick auf ihre Lebensgeschichten sowie auf ihre „Schätze“, ihre ganz persönlichen Tabakgläser.

Initiator des Projekts war Heiner Schaefer. Sein ganz spezielles Interesse galt seit vielen Jahren den Gläsern mit persönlicher Widmung. Oft tragen diese Gläser den Namen, den Beruf oder den Wohnort des ehemaligen Besitzers. Weil die meisten Gläser über den Antiquitätenhandel oder andere Kanäle in neue Hände gelangten, kann man diese Verbindungen meist nicht mehr nachvollziehen. Heiner Schaefer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Schnupftabakgläsern, die meisten aus der Zeit zwischen 1880 und 1920, wieder ein Gesicht zu geben. Zusammen mit dem Zwieseler Historiker Sven Bauer hat er über mehrere Jahre den ehemaligen Besitzern nachgespürt. Über die spärlichen Angaben auf den Gläsern wurden heute noch lebende Nachkommen ausfindig gemacht oder ausgiebig in den Archiven geforscht.

Herausgekommen ist ein interessanter Über- und Einblick in die „Schnupferszene“ von anno dazumal. Aus allen Gesellschaftsschichten kamen die Liebhaber des aromatischen Pulvers. Der einfache Häusler oder Kleinbauer ließ sich ebenso als ursprünglicher Schnupftabakglasbesitzer identifizieren wie der der stolze Glasmacher, Berghauer, Handwerker oder der ehrwürdige Fabrikbesitzer. Sogar mancher Pfarrer hatte ein Glas mit seinem Namen und den Zeichen seines Berufes. Sie alle schätzten die Prise aus ihrem ganz speziell angefertigten Schnupftabakglas. Oft waren es aber auch Vereine oder Freiwillige Feuerwehren, die ein repräsentatives Tabakglas anschafften oder von einem edlen Gönner gestiftet bekamen.

Die Ausstellung im Waldmuseum präsentiert nun diese persönlichen Schnupftabakgläser. Sie beschränkt sich aber nicht auf die Gläser, sondern zeigt zahlreiche Fotos sowie persönliche Gegenstände der ehemaligen Besitzer oder thematisch passende Objekte, so dass die Lebens- und Vereinsgeschichten lebendig werden. Begleitend dazu ist im Lichtland-Verlag unter dem Titel „Spurensuche – Von alten Schnupftabakgläsern zu ihren früheren Besitzern“ ein 250 Seiten starkes, reich illustriertes Buch erschienen. 44,90 Euro. ISBN: 978-3-942509-07-7

Öffnungszeiten Waldmuseum:
Mo-Fr 9-17 Uhr,
Sa, So, Feiertag: 10-12, 14-16 Uhr;
ab 16. Oktober:
Mo-Fr 10-12, 14-17 Uhr;
Sa, So, Feiertag: 10-12 Uhr.

Auktion Bloch Teil 5 bei Bonhams am 27. Mai 2012

Hongkong

Auch diese Auktion verlief wieder äußerst erfolgreich mit zahlreichen Highlights. Bei der teuersten Snuff Bottle handelte es sich einmal mehr um eine emailbemalte Kupferflasche, die ca. € 400.000 erreichte, dicht gefolgt von zwei Gegenstücken zu € 300.000 bzw. 250.000. Aber auch eine geschliffene Flaschen aus grüner Jade, eine aus Nephrit, eine gravierte Flasche aus einem Tukanschnabel, zwei innenbemalte Glasflaschen mit Porträts, lagen jeweils noch um € 100.000.

Es wurden wieder – mit kräftiger Unterstützung von Hugh Moss – alle 168 Flaschen verkauft, das Gesamtergebnis lag bei etwa 4 Mio. Euro knapp über der Summe der oberen Schätzwerte. Damit konnte von Bonhams eine Wertsteigerung erstklassiger Flaschen aus berühmten Sammlungen auf das Vierfache in den letzten zehn Jahren gemeldet werden.

BIXL 2012 - Eindrücke eines Sammlers

Galerie Gläserner Winkel, Dr. Schott-Str. 35, 94227 Zwiesel

Bereits zum zehnten Mal findet heuer eine Gemeinschaftsausstellung der Glasschaffenden des Vereines Gläserner Winkel im Foyer des Werkverkaufes der Zwiesel Kristallglas AG statt und diese Veranstaltung hat sich mittlerweile als fester Bestandteil des Sammlerlebens eines Tabakglas-Liebhabers etabliert. Zu der Eröffnungsfeier am Freitag, den 30. März 2012 kamen denn auch schon vormittags (beim Einräumen der Vitrinen) etliche Sammler angereist, voller Neugier und Spannung, was an Kunstwerken über den Winter entstanden sein mag.

Nun - die Sammlergemeinde wurde auch heuer keinesfalls enttäuscht, wenngleich gegenüber der großartigen Schau des Vorjahres doch deutlich weniger Einlieferungen zu bestaunen waren, was sicher daran liegt, dass heuer der Gletscherprise-Glaskunstpreis ins Haus steht und so mancher Glasmacher seine allerbesten Werke zurückgehalten haben mag. Das betraf auch den Neuheitsgrad der gezeigten Stücke, was vor allem deshalb auffiel, weil zurückliegende Bixl stets ein Feuerwerk an Überraschungen boten. Andererseits kann der Sammler natürlich nicht immer Neuerungen im Jahrestakt erwarten...

Das Gezeigte war trotz bereits bekannter Techniken und Motive durchwegs von hoher Qualität sowohl von der glasmacherischen wie auch von der veredelnden Leistung der Beteiligten, was sich in den Erwerbungen der Sammler niederschlug, so dass schon am Abend etliche rote Punkte als Zeichen der Reservierung an den Exponaten prangten. Auch dies ist schließlich ein wichtiger Erfolg für die Veranstalter, die unter der Leitung ihres Vorsitzenden Rudolf Weber und des umtriebigen Improvisationstalentes von Franz Straub wieder ein gelungenes Gesamtkunstwerk ablieferten.

Einen guten Überblick zur Veranstaltung und den ausgestellten Gläsern liefert die nebenstehende Bildzusammenstellung unseres Webmasters Sven Bauer, anhand derer ich auch meinen Bericht verfasst habe. Eindrücke von der Vernissage gibt auch der Presseartikel wieder, vor allem, welche Anerkennung die Tätigkeit des Gläsernen Winkels auch in der kommunalen Öffentlichkeit findet.

Den Sammler reizt demgegenüber natürlich vor allem der Inhalt der Schau: Da fiel zunächst als organisatorische Neuerung die Gestaltung eines Dunkelraumes mit UV-Beleuchtung auf, der es ermöglicht, Urangläser effektvoll und ohne Mischlicht zu beleuchten. Der Uranspezialist Heinz Dick gefiel so besonders mit seinen neuesten Werken, unter anderen der abgebildeten Geige, die neben ihrer schlanken Eleganz natürlich durch den Schliff Thomas Kufners ein wertvolles Stück für jeden Sammler wird. Ein weiteres Highlight und echte Neuheit waren die aus Edelhölzern wie Fränkischer Zwetschge oder Grenadill von Walter Hornung gedrechselten Büchsl, denen ein gläserner Spiegel eingepasst wird. Diese Spiegel zeigen Fadentechniken von Alois Saller oder Gravuren von Klaus Büchler, für mich war der Star jedoch der Dreifach-Überfang-Spiegel, geschliffen von Franz Straub. Dieser Spiegel wurde eigens aus einem anderen Büchsl herausgeschnitten, nachdem sich anders keine dreifachüberfangenen Platten produzieren lassen. Dennoch ein Aufwand, der das Ergebnis lohnt!
Aufsehen erregten auch die beiden eleganten Bearbeitungen von Gläsern mit farbiger Innenblase der japanischen Künstlerin Tacheucki Kyoko, die sich zur Zeit an der Glasfachschule weiterbildet. Dem Vernehmen nach nimmt sie auch am Gletscherprise-Preis teil und man darf auf weitere Werke gespannt sein, denn der Einstieg ist schon einmal sehr vielversprechend.

Die Glasmaler lieferten gewohnt Gutes: Hans Breu einmal erotische Motive, Katharina Stangl-Paukner Scherenschnittmotive und ornamentale Veredlungen, Rainer Metzger Barszenen und ein Porträt der legendären Kuh Yvonne (oder auch Sommerloch 2011).Thomas Kufner zeigte einmal mehr, dass seine Ideen für grandiose Schliffe und entsprechende Gestaltung von Farbgläsern oder auch marmorierten Gläsern aus der Hand Hans Auerbecks das derzeitige Nonplusultra der Glasveredlung sind. Aber natürlich vermochten auch die kraftvollen Tiefschnitte Max Schulhausers in ihrer Formensprache zu begeistern, ebenso wie die stilisierten Tiermotive Michael Schreiners. Sehr interessant und gestalterisch eigenständig sind die Entwürfe Josef Häuslers, die die Wirkung des Glases in seiner Transparenz oder auch seiner steinähnlichen Eigenschaft gekonnt hervorheben.

Auffallend zurückhaltend gegenüber anderen Jahren war die Beteiligung der Glasmacher der Glasfachschule. Alois Saller und Torsten Schubert präsentierten durchwegs Stücke aus dem Fundus, dies natürlich in höchster Qualität! Einzig Rainer Pscheidl zeigte als Neuheit eine raffinierte Kombination gereihter Mascherlabschnitte in farblich ansprechender Komposition. Hier wird wohl für den Gletscherprise-Preis Spannung aufgebaut?!
Und schließlich die Organisatoren selbst: Franz Straub erwies sich erneut als meisterhafter Graveur erotischer Motive, auch auf den windschiefen Gläsern Rudolf Webers. Letzerer sorgte mit seinen Miniatur-Büchsln zum Anstecken für den Clou der Bixl 2012 und fand damit lebhaften Absatz, zumal wir uns als Sammlerverein zur Herausgabe eines speziellen Vereinsansteckers in dieser Art entschlossen haben.
Dieser Bericht stellt eine durchaus subjektive Schilderung der wichtigsten Eindrücke dar und sicher habe ich das ein oder andere Ausstellungsstück unterschlagen; hierfür bitte ich um Nachsicht. Jedenfalls ist das Gebotene sehenswert und ja noch bis zum 19. Mai zu bewundern. Den Organisatoren und ihrem ganzen Team gebührt  höchste Anerkennung für eine wiederum sehr gelungene Bixl - wir freuen uns auf mehr im nächsten Jahr!

Ihr Holger Freese
Stv. Vorsitzender