Kurze Historie der bayerischen Schnupftabakgläser

Die erste Erwähnung von Schnupftabakgläsern findet sich im Jahr 1674 in einem Lieferbericht aus der Glashütte des Grafen Buquoy von Gratzen nach Wien mit u. a. „27 Stuckh kleine Tubackh Püxl“ . Die Bezeichnung „klein“ stellt sicher, dass es sich nicht um größere Aufbewahrungsbehälter, sondern um Taschenflaschen gehandelt hat. Bereits vier Jahre später 1678 erwähnt das Rechnungswesen der vom Kurfürsten Ferdinand Maria in München gegründeten Glashütte „Tabackspixl“ aus den Glassorten „Waißl, Christal und schatirtem Glas“. Aus dem folgenden 18. Jahrhundert, das Mitteleuropa und damit auch Bayern mit zahlreichen Kriegen erschütterte, sind nur sporadische Spuren, vor allem in „Verlassenschaftsinventaren“ erhalten. Trotzdem ist mit Hilfe von ausgegrabenen Glasscherben aus der Burganlage Runding bei Cham ein anschauliches Bild der bayerischen Schnupftabakgläser zum Ende des 18. Jh. erkennbar.

Zweifellos die produktivste Zeitspanne in der Schnupftabakglasherstellung erstreckt sich von den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. mit dem Aufstreben der Glasindustrie in Bayern bis etwa 1910, wahrlich ein „goldenes Jahrhundert“ für diese Gegenstände! Mehrere Glashütten im Raum Zwiesel und Frauenau führten diesen Artikel in ihrer Fertigung und belieferten zahlreiche private Schleiferei-, Gravur- und Glasmalereibetriebe mit Rohlingen. Poschinger in Spiegelhütte und Stangl in Spiegelau waren um 1900 die größten Betriebe, die sich zumindest eine Handvoll Jahre lang auf die Herstellung von Schnupftabakgläsern in vielen Techniken, auch geschliffen und bemalt, spezialisiert hatten.

Besonders liebenswert sind jedoch die Schnupftabakgläser, die auf Wunsch besonderer Auftraggeber verziert wurden, auch Vereinsgläser geben oft mit Angaben über den Verein oder Herstellungsjahr gute Hinweise. Von wichtigster Bedeutung sind natürlich aber die ganz besonderen Stücke, die beste Glasmacher in den Arbeitspausen als Beleg für ihre Handwerkskunst gefertigt haben. Hier finden wir die ganze technologische Bandbreite der vielseitigen Glaskunst in Bayern im 19. Jahrhundert!

Äußerst erfreulich ist aber, dass in den letzten 20 Jahren von Glaskünstlern unserer Tage von Glasmachern und Glasveredlern ausgefallene Objekte in höchster Vollendung auch für den anspruchsvollsten Sammler erzeugt werden, und damit die Szene der Schnupftabakgläser frisch und lebendig bleibt!